Arbeit, Identifikation und Motivation
In der Juni-Ausgabe der Brandeins hat Thomas Ramge einen Beitrag mit dem Titel “Das Ich und die Organisation” geschrieben. Darin unterscheidet er vier Mitarbeiter-Rollen, die in Konzernen vertreten sind. Gleichzeitig habe ich innerhalb meines Studiums bereits verschiedene Motivationstheorien kennengelernt. Mein Ziel ist es diese Theorien mit Ramges’ Beitrag in Zusammenhang zu setzen. Es ist ein langer Artikel, bitte Zeit nehmen.
Um sich der Typenbildung von Mitarbeiter zu nähern, teilt Ramge zunächst in folgende vier Kategorien ein. Ausgehend davon, dass es in einem Unternehmen Höchstleister und Mindestleister sowie hoch Identifizierte (identifizieren sich mit Unternehmen, dessen Philosophie usw.) und nicht Identifizierte MA gibt, lassen sich folgende Kategorien bilden.
1. hoch identifizierte Höchstleister
2. nicht identifizierte Höchstleister
3. hoch identifizierte Mindestleister
4. nicht identifizierte Mindestleister
Den hoch identifizierten Mitarbeiter bezeichnet Ramge nun den “Wir-in-der-Firma” Typen. Er identifiziert sich sehr stark mit dem Unternehmen und hält es für genau die richtige Firma für ihn. Der Typus ist häufig in High-Konzernen anzutreffen und für diese ist er ein Idealfall, denn er trägt das “wir” auch nach außen. Die Anerkennung über den Arbeitgeber ist ihm sehr wichtig, er arbeitet ja nicht irgendwo. Und deshalb geht es ihm auch schlecht, wenn seine Firma leidet. Motivationstechnisch ist er gut gestellt, denn er hat immer eine machtvolle Position in der Firma (–> Geltungsstreben) und gleichzeitig Arbeit die ihm Freude bereitet.
Dennoch hat der Idealfall auch seine Schwächen, zum einen die der Überidentifikationen und möglicher Enttäuschung, zum anderen kann er schnell auch das Feld räumen, wenn ihm eine andere Organisation signalisiert “hier kommst du schneller ans Ziel”.
Den nicht identifizierten Höchstleister bezeichnet Thomas Ramge als “Der Söldner”. Söldner sind typische Vertriebler, denen es egal ist für wen sie arbeiten, hauptsache die Anreize stimmen. Die Qualität seiner Arbeit (er ist Höchstleister) ist genauso gut wie die des stark Identifizierten, nur das er aus einer anderen Motivation heraus handelt (–> extrinische Motivation; Status, Dienstwagen, BusinessClass). Insgesamt möchte er sich nicht von der Organisation abhängig machen, zumindest nicht emotional. Er ist stark leistungsmotiviert, denn wenn die Leistung stimmt, stimmt auch das Geld.
Kommen wir nun zu den Minderleistern. Wie stellen wir uns nun einen identifizierten Mindestleister vor? Es ist “der Verbitterte”, der nie die nötige Anerkennung, die versprochenen Positionen von seiner Firma, seinem Chef erhalten hat. Meist haben sie als “Wir-in-der-Firma” Leister begonnen und mit viel Engagement und Einsatz das Unternehmen vorangebracht. Bis sich irgendwann zeigte, dass er dafür keine Anerkennung, kein positives Feedback bekommen würde oder nur so lange, wie es der Firma gut geht. Stark identifizierte Mindestleister suchen eine “Familie” im Unternehmen und man sagt, dass sie über ein geringeres Selbstbewusstsein verfügen als beispielsweise die Hochleister. Verbitterte betreiben den Flurfunk im Büro sehr intensiv und neigen im Extremfall auch dazu Kundendaten der Firma weiterzugeben o.ä.
Die nicht identifizierten Mindestleister könnte man auch als “Faulenzer” oder “Unfähige” beschreiben, wobei zunächst zu unterschreiden ist, ob jemand einfach faul ist oder schlicht und einfach nicht kann (unfähig ist). Faulenzer ähneln den Verbitterten, allerdings hegen sie keine Pläne gegen das Unternehmen, sondern wollen einfach nur durchkommen. Identifikation mit sich selbst und genügend Selbstwert erhalten sie durch ihre Hobbies, wie Biken, Trekking, Tennis, Wandern. Der Typ Faulenzer ist in jedem Unternehmen und auf allen Stufen anzutreffen.
Dann gibt es noch die Unfähigen, die aufgrund eines übersteigerten Selbstbewusstsein mehr reden als sie wirklich können. Sie überschätzen sich selbst und sind sehr enttäuscht, wenn jemand anderes sie für ihre Unfähigkeit kritisiert.
Quelle: Brandeins, 11. Jahrgang, Heft 06 Juni 2009, S.84 – 89
Nun zur Motivation
Man kann grundlegend zwischen Machtmotivation, Leistungsmotivation und Anschlussmotivation unterscheiden. Es gibt Menschen, die arbeiten, um eine Position zu erlangen (Macht). Es gibt Menschen die gerne viel leisten, die Wissen aufbauen wollen (Leistung) und es gibt Menschen die vor allem den Austausch zu anderen Menschen suchen (Anschluss). Diese Motivationstypen können auf gemischt auftreten, beispielsweise Macht- und Anschlussmotivation (Macht bei vielen Menschen, Beeinflussung, Sicherheit), allerdings nicht alle drei zusammen. Weiterhin können folgende Bedürfnisse und Bestrebungen auf den Menschen motivierend einwirken:
Geltungsstreben: hohes Ansehen in Öffentlichkeit; Blockade wenn zu wenig Anerkennung im Privaten
Machtstreben (nach McClelland): beeindrucken, hat zwei Ausprägungen (kann sich Aggression ausdrücken oder in Altruismus, d.h. andere Menschen von einem abhängig machen, helfende Berufe), sich-stark-fühlen-Wollen, Umwelt/ Mitmenschen beeinflussen
Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit: „In-Sein“, Angst vor Verlust wichtiger Bezugspersonen, Sehnsucht nach möglichst engen, intensiven sozialen Kontakten, nach Liebe
Bedürfnis nach Stressreduktion: seelischer und körperlicher Stress, Aktivierungsforschung: Überforderung (über längere Zeit hinweg zu schwierige oder zu viele Aufgaben) oder Unterforderung (Reizmangel, Langeweile, Abnormalität, sensory deprivation);
Bedürfnis nach Angstvermeidung: bedrohliche Situationen besonders intensiv wahrnehmen; nach Freud „Realangst“ und „neurotische Angst
Bedürfnis nach Autonomie: Selbststeuerung, Verursachung „von innen“, in sich selbst verankert sein, keinem Menschen oder Umweltgegebenheiten ausgeliefert sein,
Bedürfnis nach Effektivität: Handelnder Mensch – Kompetenzmotivation (Was kann ich?) „Selbstwirksamkeit“ nach Bandura, gestecktes Ziel aus eigener Kraft erreichen
Bedürfnis nach Handlungskontrolle: Wille, etwas Erreichen wollen und gleichzeitig Angst zu versagen, der Wille (Eigenverantwortung) ist nicht gleich Motivation (Verursachung)
Leistungsmotivation (LM): Erfolgsmotivation, also etwas besser machen oder Misserfolgsmotivation, also man fürchtet den Misserfolg bzw. glaubt dass dieser eintritt; in der Realität vermischen sich diese Faktoren; LM steht in Beziehung zu Leistungswerten, kognitiven und affektiven Persönlichkeitsmerkmalen
Sachbezogene Interessen (inhaltsspezifische Motivation): Interesse an einer Sache wegen „Wissensvorsprung“ (um anzukommen bei anderen) oder Faszination am Thema (Bedürfnis nach optimaler Aktivierung);
Konzept „inhaltsspezifische Motivation“ nach Nenniger, Hochleistungsmotivierte können Schwankungen im Interesse während des Problemlöseprozesses haben (Ermüdungserscheinungen, konkurrierende Leistungsanreize)
Bedürfnis nach Belohnung bzw. Strafvermeidung: positive, negative Verstärkung; Achtung bei materieller Verstärkung (extrinsisch) nur kurzfristige Motivation
Bedürfnis, sich mit dem Gemeinwohl zu identifizieren: als Einzelperson in Gemeinschaft eingebunden, angewiesen. Mensch als „Herdentier“: 1. soziale Verhaltensweisen, 2. egozentrische Strebungen
Bedürfnis nach Schutz und Hilfe: Bedürfnis eigene Existenz durch soziale Hilfe abzusichern & zu bereichern
Bedürfnis, sich in andere einzufühlen und ihnen zu helfen (Altruismus): die Hilfeleistung ist wahrscheinlicher, wenn wir selbst schon einmal in der Situation waren oder wenn jemand „nichts dafür kann“ oder wenn wir davon profitieren
Erkenntnisstreben: alle Menschen Philosophen, brauchen Erkenntnis oder ein eigenes Verständnis davon „was die Welt im Innersten zusammenhält“, Goethe/Faust. Geistige Leistung „an sich“ stimuliert, ist lustvoll, nicht wegen sozialer Anerkennung
Bedürfnis nach Vergleichen von Eigenem bzw. Bekanntem und Fremdem bzw. Unbekanntem: Entwicklung des eigenem Selbst durch Vergleich mit anderen,
Bedürfnis nach Gerechtigkeit: Glaube an eine gerechte Welt; Bedürfnis nach kognitiver Ordnung und Orientierung, nach sozialer Anerkennung (Selbstwertgefühl), Anwendung des kategorischen Imperativs nach Kant
Bedürfnis nach Anreizen, die in den Handlungszielen enthalten oder damit verknüpft sind (zielbezogene oder extrinsische Motivation): „um zu“, Anreize die „von außen“ kommen, Geld verdienen, sich viel leisten können
Bedürfnis nach Anreizen, die in der Tätigkeit selbst begründet liegen („Flow“-Erlebnis, intrinsische Motivation): keine Belohnung, sonst geht intrinsische Motivation verloren (meistens)
Bedürfnis nach optimaler Reizvariation und Aktivierung („Neugier“): mittlere Aktivierung nach Yerkes und Dodson, Überaktivierung führt zu Verkrampfung, „Reizhungrige“ („sensation seekers“) brauchen viele, starke Reize und viel Abwechslung, was bei anderen Menschen wiederum Abwehr auslösen würde.
Selbstverwirklichungsstreben (Bedürfnis nach Sicherung und Erweiterung der eigenen Existenzmöglichkeiten): Entfaltung, optimale Umwelt, klar Werden über Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, Selbstwahrnehmung
All diese Faktoren beeinflussen uns bei der täglichen Arbeit und je nachdem wie wir dispositioniert sind, werd wir leistungs- oder macht- oder anschlussmotiviert sein. Außerdem kommt es ebenso darauf an, welchen Schwerpunkt wir generell der Arbeit bemessen oder ob die Arbeit nur ein “Brotjob” ist. Das alles trägt natürlich zur Identifikation im Unternehmen bei. Mit einem Unternehmen, welches es mir am ehesten ermöglicht, meine Bedürfnisse und Bestrebungen umzusetzen, werde ich mich stärker identifizieren als mit einem, welches mir diese Möglichkeiten nicht bietet. Das hat am Ende nicht viel mit der Firmenphilosophie zu tun, da die meist nur in eine Richtung abzielt und für den Unternehmenserfolg steht, nicht für die einzelnen, individuellen Ziele der Mitarbeiter. Ich glaube, es wäre aber viel wichtiger für einen Unternehmer herauszufinden, welche Ziele jede/r verfolgt, was den Mitarbeiter antreibt, ihn tagtäglich motiviert (oder motivieren würde) und je nachdem die Rahmenbedingungen individuell festlegt. Derzeit ist Arbeit so definiert, dass sich der Arbeitnehmner den Bedingungen des Arbeitgebers anpassen muss. Auch wenn der Job an sich interessant wäre, die Konditionen stimmen usw., wird oft ein System “mitverkauft” das vielleicht auf den neuen Mitarbeiter nicht passt. Beispielsweise ein wöchentlich festgelegter Tag an dem ALLE Mitarbeiter sich in einer Bar treffen. Der neue Mitarbeiter ist jedoch wenig anschlussmotiviert, vielleicht auch eher zurückhaltender und fühlt sich dadurch unwohl. So hat jeder Mensch andere Bedürfnisse, andere Bio-Rhythmen, andere Sicherungsbedürfnisse, intrinsische und extrinsische Anreize usw. Es gibt verschiedene Methoden diese herauszufinden, nur macht es keiner. Was alle machen, ist Leistung verlangen, durch Zeiterfassung gemessen. Wie man jedoch richtig die Motivation und Kreativität steigert, fragt sich kaum einer (Denkanstoß für alle Unternehmer).
5 Responses to 'Arbeit, Identifikation und Motivation'
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Der brandeins-Artikel (PDF: http://url.ie/2eaw) hat für meinen Geschmack zu viele unbelegte Pauschalaussagen. Mit den von dir genannten Bedürfnissen scheint es mir auch plausibler, dass sich die meisten Mitarbeiter zunächst mit ihrem Job identifizieren, ihrer Tätigkeit, weniger dem Arbeitgeber. Der Mensch ist doch erstmal Verfahrenstechniker, nicht Siemens-Mitarbeiter. Oder seh ich das falsch?
Basti Hirsch ッ
9 Sep 09 at 5:53
Schöner Artikel!
Evtl. könnte dich in diesem Zusammenhang auch das Buch “Supermotivation” von Spitzer interessieren. Ich habs vor einiger Zeit mal gelesen und mich während deines Artikel wieder daran erinnert gefühlt…
Christian Spannagel
10 Sep 09 at 5:16
Hallo Anne,
das ist ja mal ein sehr interessanter Artikel – diesen sollten sich einmal Geschäftsführer und Manager von Unternehmen durchlesen, aber nicht nur die – ich glaube auch für Lehrer und Ausbilder ist er interessant – warum?
Tja, das ist vielleicht etwas weit hergeholt, aber als Lehrer v.a. in der schulischen Ausbildung steht man ja auch ein wenig als Berufsberater da. Ich bin der Meinung, dass man mit den Schülern ab dem 15. Lebensjahr genauer über eben diese Motivationen sprechen sollte. Warum suchen sie sich entsprechende Berufe aus und warum glaubt ein Schüler, dass er geeignet ist für den gewünschten Beruf. Ich glaube auch, dass man Schüler, die noch nicht wissen was sie einmal werden möchten, über diese Schiene der Motivation und Interessen sowie Talenten zu ihrem Wunschberuf begleiten kann.
Schließlich kann ein Unternehmen nur erfolgreich sein, wenn die Mitarbeiter auch mit Herz ihren Job machen und nicht zur Arbeit gehen, um irgendwie ihr Leben bestreiten zu können. Leider gibt es in unserer Gesellschaft, so meine ich, zu viele Arbeitnehmer, die einen Beruf ausüben, an dem sie wenig Freude haben. Selbst unter meinen Kommilitonen gibt es einige, die nur auf Lehramt studieren, weil sie glauben dann mal einen sicheren Job zu haben. Ich finde diese Einstellung unverantwortlich. Man sollte seiner Berufung nach seinen Job machen.
Melanie
10 Sep 09 at 5:18
Hi Anne,
bin über DNA_d hergekommen und Punkt 1. sooooo lang ist der Artikel ja nun auch wieder nicht! :)
Punkt 2 schöne Zusammenfassung von dir aber das Fazit war mir fast n bissel knapp. Bleib da dran, es gibt im übrigen genügend Persönlichkeits- und Typen- Tests und die werden sehr wohl angewandt, aber meiner Erfahrung nach erst im oberen Ende des mittleren Managements.
Du hast absolut Recht wenn du singemäß schreibst, es solle Standard sein und man sollte sich mehr mit den Bedürfnissen der Mitarbeiter beschäftigen. Ich erkläre mich gerne mal bereit. Melde dich! :)
Bei dem “Soldaten” mußte ich ein wenig über das Vertriebler Beispiel schmunzeln, ja ja es ist so einfach Stereotypen zu wählen. Ich bin Vertriebler aber richtig wiederfinden kann ich mich nicht….die Krux von Typenindikatoren und Einteilungen.
Weitab von Business und Beruf, empfehle ich den meines Erachtens spannensten Typentest den “Das Eneagramm”. Es ist schätzungsweise 2.000 Jahrte alt, wurde von den Sufis weiterentwickelt und hat gerade auch die emotionale Ebene integriert. Kann ich dir nur empfehlen!
Lieben Gruß
Jörn Hendrik
Jörn Hendrik
19 Sep 09 at 6:32
@Jörn Hendrik Hallo Jörn, vielen Dank für deinen Kommentar. Ich bin halt kein Profi auf dem Gebiet. Es sind erste Gehversuche in den Bereich der Arbeitspsychologie. Ich glaube, dass sich in den kommenden Jahren da sehr viel tun wird, aber langsam. Ich glaube auch, dass es Führung braucht, aber anders. Ich habe kein Erfolgsrezept, ich weiß nicht wie ich wäre als Chefin. Ich glaube ich wäre sehr vertrauensvoll und offen. Ich würde Kompetenzen abgeben. Ich würde Menschen beschäftigen die Persönlichkeit haben (aber vielleicht schlechte Noten in der Schule). Identifikation…würde ich nicht überbewerten. Ein Mitarbeiter der nur für die Firma lebt, das würde mich irritieren, schließlich habe ich ja auch ein Privatleben.
@Melanie Du hast vollkommen Recht, dass wir dazu verpflichtet sind, die heranwachsende Generation auf das vorzubereiten, was sie später im Berufsleben erwarten wird bzw. sie bewusst danach fragen, wo sie ihre Stärken sehen. Fragt man einen 10Jährigen in einem Sozialer-Brennpunkt-Viertel in Berlin, was er später mal werden möchte, lautet die Antwort derzeit: “HartzIV”. Das ist doch bitter und liegt sicher nicht an den fehlenden Fähigkeiten und Fertigkeiten. Leider aber ist unser Bildungssystem so ausgelegt, dass nur den gut situierten Kindern auch eine gute Bildung vorenthalten ist. Die Kinder aus ärmlichen Verhältnissen haben Pech. Da Frage ich mich häufig wie Deutschland seinen Status “Innovationsland” beibehalten will. Es braucht schon mehr als nur Geld gute Ideen voranzubringen. Es braucht Persönlichkeiten die daran glauben was sie tun und die kämpfen können. Und ein weiteres Manko deutscher Bildung: Der Hochschulzugänge werden nur dann vergeben, wie die jeweiligen Abschlüsse in der Bundesrepublik gebraucht werden. Ich vergleiche hier Dtld. immer ganz gern mit Österreich. Österreich hat einen weitgehend freien Bildungszugang. Jeder kann das studieren, was er sich wünscht ohne Wartezeiten. In Deutschland müssen manche Menschen teilweise 6 Jahre warten, bis sie ihren Wunsch-Studiengang studieren können. Das ist doch absurd. Oder betrachtet man mal die Möglichkeiten wie man in Deutschland sein Abi nachholen kann. 3 Jahre Schule. Teilweise sind die Leute zu dem Zeitpunkt schon 28. Sie warten so lange, damit sie elternunabhängiges Bafög bekommen. Wieder so was unnötiges. Mit 28 haben die Leute aber normal verdient, i.d.R. 1200-1400 netto. Dann müssen sie die nächsten 6 Jahre mit 600 EUR auskommen (3 Jahre Abi, 3 Jahre Studium). Da wird schon sehr genau abgewogen, ob es sich lohnt zu studieren. Aber ich meine, es ist so wichtig, Menschen in die Wissenschaft zu führen. Auch wenn sie nachher wieder in die Praxis gehen. Der wissenschaftliche Zugang zu gewissen Themen ist enorm wichtig, um nicht allzu sehr den Alltagstheorien von Freunden, Bekannten, Kollegen usw. zu verfallen. Und nicht nur das, es macht auch schlau. Schade ist in diesem Zusammenhang, dass das Thema Bildung im Moment völlig unrelevant in Politik & Co zu sein scheint. Bildung geht in Deutschland unter. Leider.
Anne Grabs
22 Sep 09 at 2:03