Archive for the ‘afrika’ tag
Es geht nicht ums schlechte Gewissen
Ich habe eben 50 EUR an Pakistan gespendet. Die Entscheidung wurde durch einen Artikel in der taz beeinflusst. Es ist mein Beitrag zur Hilfe in Pakistan, aber es geht mir nicht um mein gutes Gewissen. Mit einer Spende ist noch längst nicht viel getan. Wichtig sind die Helfer vor Ort. Auch wenn ich gelesen habe, dass 3/4 der Gelder durch Korruption nie bei den Hilfesuchenden ankommen, hoffe ich, dass meine Spende dennoch die Richtigen erreicht.
Dies ist nur der Aufhänger für einen Blogbeiträg, der mir schon länger unter den Nägeln brennt. Der Satz “Es geht nicht ums schlechte Gewissen” stammt eigentlich von Klaus Werner-Lobo, der Globalisierungskritiker und Autor des Buches “Uns gehört die Welt”. Werner-Lobo glaubt ebenso wie ich daran, dass wir unsere Welt gestalten und beispielsweise gegen schlechte Arbeitsbedingungen in Indien und Bangladesch vorgehen können. Ich habe dieses Jahr an einem seiner Vorträge in Freilassing teilnehmen dürfen. Im Anschluss diskutierte das Freilassinger Publikum über die Handlungsmöglichkeiten jedes einzelnen. Alle wollten von Werner-Lobo eine Antwort, einen Richtwert, nein, ein Kochrezept, welcher Konsum nachhaltig ist und welche Produkte sie einkaufen sollen. Doch klarerweise konnte er darauf nicht adäquat antworten, denn es gibt kein richtig oder falsch und es geht nicht um’s gute oder schlechte Gewissen. Wenn jemand bei Aldi resp. Hofer einkauft, dann soll er das machen. Was alle gemeinsam haben (sollten), ist die Fähigkeit ihr Konsumverhalten zu reflektieren, sich nach Alternativen umzuschauen, Werbung und PR-Kampagnen zu hinterfragen, schlechte Produktionsbedingungen aufzudecken. Das System kann der einzelne nicht verändern, einzeln Zeichen setzen aber schon. Und gemeinsam gegen Missstände vorgehen. Das Publikum blieb weiterhin irritiert und verlautbarte, man könnte sich die teureren, fairen Produkte nicht leisten. Wieder Anfrage Kochrezept. Überleitung zur Asyldebatte in Deutschland und Österreich. Klaus Werner-Lobo schlägt vor, sich mit und für Asylwerber zu solidarisieren, für bessere Chancen, für eine eigene Wohnung, einen Job usw. Doch dann diese Wortmeldung: “Aber was brauchen denn Asylanten zum Leben?”. “Das gleiche wie du, weil er das gleiche Recht hat, wie du.” – Antwort Werner-Lobo. Der Saal verstummt. Zuerst fühlt sich der Zuhörer vom Elend schlechter Lebensbedingungen und menschenunwürdigen Zuständen angesprochen, will sofort etwas tun, bei sich selbst anfangen. Der Kommentar des Zuhörers entlarvt aber das eigentliche Problem: Die Meinung, jemand besseres zu sein. Wer bei sich selbst anfangen möchte, sollte zunächst verstehen, dass es ein Zufall ist, eine Laune der Natur, dass er in Europa, in Deutschland, in Österreich geboren wurde. “Historische Zufälligkeit” nennt es der Philosoph Peter Bieri: “Es heisst nur, von dem naiven und arroganten Gedanken abzurücken, die eigene Lebensform sei einem angeblichen Wesen des Menschen angemessener als jede andere.” Ein solches Denken drückt sich alltäglich in Formulierungen wie “Die Afrikaner sind nicht so schlau wie wir” oder “Muslime können sich nicht integrieren”. Fakt ist, dass keiner qua Hautfarbe oder Glaube nach seiner Intelligenz beurteilt werden kann. Auch nicht wen Sarrazin es mit kruden Gen-Behauptungen versucht.
Ich selbst bin kein Vorzeigekonsument. Ich kaufe auch bei H&M, obwohl ich von den schlechten Produktionsbedingungen weiß. Ich kaufe in Billigsupermärkten und buche Langstreckenflüge. Dennoch versuche ich mir mit Filmen wie “Der große Ausverkauf”, “We feed the World”, “Let’s make Money” oder “Plastic Planet” eine Vorstellung darüber zu machen, wie und wo die Menschen auf dieser Erde ausgebeutet werden. Das ist meine Art der Bewusstseinsbildung in einem System, dass sich hoffentlich irgendwann ändern wird. Wenn wir uns bewusst machen, wie die Machtverhältnisse in einer globalen Welt verteilt sind, verändert das bereits unseren Blick auf die Welt. In den Diskussionen mit Freunden und Bekannten, stört mich das Argument: “Der einzelne kann die Welt nicht retten!”. Dieser Satz ist leicht ausgesprochen und beinhaltet so viel Arroganz gegenüber Menschen, die sich jeden Tag von Neuem überlegen müssen, ob sie aufstehen oder sterben sollen. Warum werden solche Sätze ausgesprochen? Um das eigene Gewissen zu bereinigen. Die Ohnmacht des Einzelnen ist aber nicht der Freibrief für unreflektierten Konsum. Es geht darum, seinen eigenen Konsum zu hinterfragen, nicht ums schlechte Gewissen.
Damals und heute: Accra/Ghana
Obama ist heute in Accra/Ghana.
Manche werden sich fragen, warum ich darüber schreibe. Aber mit Accra verbinde ich meinen 3wöchtigen Aufenthalt in Ghana vor 2 Jahren. Ich habe mal in meinen Mails von damals geschaut und die erste Nachricht gefunden, die ich am 5. März 2007 an meine Lieben geschickt habe:
Puh, also wo soll ich anfangen…Es ist wahnsinnig warm hier und mein Koerper ist noch ein bisschen confused. Die Sonne scheint hier nur durch Wolken, und der Himmel ist immer grau. Stellt euch vor, es waere ein extrem schwueler Tag, kurz bevor es regnet – so ist es hier die ganze Zeit.
Der Flug war anstrengend und in Mailand waere es beinah zur Rieseneskalation im Flugzeug gekommen, weil die einen abschieben wollten, der aber die ganze Zeit rumschrie. Am Ende waren die Diskussionen der Fluggaeste aber lauter als der Typ. Es war teilweise sehr witzig anzuschauen. Die sind alle total ausgeflippt!!! Nach einer Stunde Palaver dann der Entscheid ihn doch nicht mitzunehmen…Vielen Dank noch mal an Aniko, Beatrice, Papa und Volker fuer das zum Flughafenbringen!! Das war wirklich sehr lieb von euch. Um 11 Uhr abends endlich die Landung und 29 Grad, totaler Hitzeschlag. Am Flughafen haben sie ein Willkommenslied gespielt. Und ueberall haengen Fahnen wegen dem 50jaehrigen Jubilaeum.Die Busfahrt am naechsten Tag war auch sehr witzig. In einem Bus, wo in Deutschland gerade mal 6 Leute Platz haetten, werden hier 15 reingesetzt. Holter die Polter, die Fahrt kostet allerdings auch nur 1 Euro von
Accra nach Koforidua. Die grosse Feier morgen kommt mir auch etwas zu Gute, denn der Kindergarten ist die naechsten drei Tage geschlossen. So kann ich erst mal “get used to it” gehen. Morgen werde ich nach Accra fahren und bei Alice (die Tochter von meiner Gastfamilie) uebernachten. Wir schauen uns dann die Parade an.Mit dem Englisch sprechen ist es hier nicht so einfach, bzw. ist es schwer deren Englisch zu verstehen. Teilweise werden Woerter verschluckt oder ganz anders ausgesprochen. Gestern habe ich die Inhaberin des Kindergartens kennengelernt und nichts verstanden. Wenn Alice nicht hin und wieder uebersetzt haette, waere da gar keine Kommunikation zu stande gekommen, aber egal.
Am schwierigsten ist die Zeitumstellung. Der Tag beginnt hier um 6 Uhr morgen und man steht um 4,5 Uhr auf. Da muss ich mich ganz schoen umstellen. Die Familie ist sehr nett. Es wird allerdings meist gleichzeitig Radio gehoert und Fernsehen geschaut, in einer eher schlechten akkustischen Qualitaet. Aber man hoert staendig irgendwelche Musik oder jemanden singen. Insgesamt fuer meine Verhaeltnisse sehr laut, morgens kraehen dazu noch die Huehner und man steht im Bett.
Die Ghanaer sind wirklich ein nettes Voelkchen und sie sind auch gar nicht soo ueberrascht eine Weisse zu sehen. Klar in der Stadt quatschen sie einen an und wollen, dass man was kauft, sonst aber nichts. Kinder winken mir und lachen, aber betteln tut niemand. Ueberhaupt sind sie
sehr geschaeftig, jeder kauft und verkauft irgendwas. Neben dem Haus wo ich wohne, gibt es eine Bar, einen Frisoer, eine Naeherei, Kiosk.
Ich kann also verstehen, dass Barack Obama Ghana als Vorzeigeland für Afrika bezeichnet. Ghana ist eines der reichsten Länder in Afrika. Dennoch gibt auch da Korruption. Seine Idee ist, dass reichere Länder in Afrika den ärmeren helfen. Die Ghanaer und Ghanaerinnen freut es natürlich, dass Obama zu Besuch ist. Ich kann mir lebhaft vorstellen was da los ist.
Auf Youtube habe ich einen super Video über Ghana gefunden und wie man versucht hat mit Internet mehr Leute zu vernetzen und das Entrepreneur-Dasein voranzubringen. Das Internet-Café was sie da im Video zeigen, habe ich damals auch besucht. Es war für mich so überraschend zu sehen wie fortgeschritten, schnell und komfortabel die Internetleitungen und der Service dort sind, genauso wie in einem Internet-Café in Europa, nur das es proppevoll war und jeder Platz besetzt war. Ghana ist nach meiner Einschätzung wirklich ein Vorzeigeland.
Bloggen für Afrika
Seit vier Tagen sind jetzt Ulrike, Tim und Alexander in Benin. Gemeinsam mit Jean-Pol Martin bloggen wir in Englisch und Französisch alles was wir von Ihnen zu lesen bekommen. Ich bekomme jetzt jeden Tag sms mit Updates. In weiser Voraussicht, dass es in Benin schlecht aussehen wird mit Internet, hatte ich Alexander empfohlen sich vor Ort eine Sim-Karte zu besorgen. Das Live-Bloggen auf webenin.wordpress.com funktioniert, irgendwie. Morgen schicke ich Ihnen Geld, da sie mit ihren EC Karten Schwierigkeiten haben. Ich hoffe, dass das alles gut geht. Für mich ist das ein wenig wie eine Reise in die Vergangenheit, da mich vieles an Ghana (03/2007) erinnert. #flashback
Aus diesem Grund kommt mein Blog dieser Tage etwas zu kurz. Zudem ist Frühling und ich bin mit Arbeit zugedeckt bis obenhin.
Projektbeschreibung WE support Benin ist online
Seit heute steht die Projektbeschreibung für WEbenin und ist unter webenin.wordpress.com erreichbar.Pfiffige und versierte Französisch-Übersetzer unter meinen Bloglesern können sich gerne bei bei mir melden, falls etwas falsch formuliert sein sollte.
Ansonsten bitte ich alle an der Facebook-Gruppe teilzunehmen und dieses Projekt mit eurer Stimme zu beleben. Denn unser WEbenin Projekt lebt von der Community, den Meinungen und Erfahrungen, die Menschen bisher bei Aufenthalten in Afrika gemacht haben und von Leuten die an einer Verbesserung der Situation des “vergessenen Kontinents” sind. Ich habe selbst einmal drei Wochen in Ghana verbracht und erinnere mich gern an das Lächeln der Kinder zurück. Unterstützt uns! Danke.






